Ist Klimawandel wieder »out«?

In der Wirtschaft muss man langfristig denken, um langfristig erfolgreich zu sein. Nachhaltiges Handeln gehört eigentlich dazu. Warum aber werden dann viele Maßnahmen und Bemühungen wieder gestrichen? Ist der Klimawandel schon wieder vorbei?

Die Fakten über das Fortschreiten und vor allem die Auswirkungen des Klimawandels sind wissenschaftlich belegt und hinreichend bekannt. Die Diskussion über die Folgen und notwendige Maßnahmen dagegen wurde in den letzten Jahren laut und kontrovers geführt. Doch obwohl die Auswirkungen der Erderwärmung bereits vielerorts deutlich zu spüren sind, handeln wir als Gesellschaft wenig entsprechend. Politik und Unternehmen wenden sich – nicht nur hierzulande – wieder von aktiven Klimaschutzmaßnahmen ab. Eine Art „Klimamüdigkeit“ geht um. Ausnahme ist allenfalls das Produktmarketing, hier funktionieren nachhaltige Versprechen nach wie vor.

Alles egal?

Warum aber pfeifen wir auf unsere Erkenntnisse zum Klimawandel? Sind zu bequem, Dinge zu verändern, obwohl wir es besser wissen?

Die Gründe sind nicht so schwer zu finden, die Psychologie führt uns auf die richtige Spur. Erstens ist der Mensch ein Gewohnheitstier. An einmal Erlerntem oder Automatismen wieder etwas zu ändern, ist anstrengend. Und zweitens ist er ein soziales Wesen und will dazugehören. Wo Umwelt- und Klimaschutz aber nur in Extremen gedacht und kommuniziert werden, verliert man die Zuhörer*innen schnell wieder oder schickt sie gar ins andere Extrem. Zugleich liegt hier aber auch der Schlüssel, um das Blatt wieder zu wenden. Weil es Anstrengung kostet, Gewohnheiten zu verändern, schaffen wir das am besten, wenn am Ende ein lohnendes Ziel wartet. Konkret und greifbar und auch persönlich, nicht nur etwas für die Allgemeinheit. Noch besser gelingt die Veränderung, wenn wir es nicht allein tun, sondern zusammen.

Es geht auch anders

Ein Beispiel? Die Erneuerbare Energiegemeinschaft Grätzl Energie aus Wien. Privatpersonen, Unternehmen und Gemeinden aus einem lokalen oder regionalen Netzverbund können sich hierbei zusammenschließen, um gemeinsam Strom aus Erneuerbaren Energieträgern zu erzeugen, zu speichern, zu teilen, zu verbrauchen oder zu verkaufen. Mit einer eigenen PV-Anlage kann man Strom, den man nicht selbst benötigt, in das gemeinsame Netz speisen. Man kann aber auch nur als Nutzer*in teilnehmen und sozusagen Strom von der PV-Anlage der Nachbar*innen beziehen. Die Preisgestaltung ist so angelegt, dass alle finanziell davon profitieren – während sie in Gemeinschaft (!) einen Schritt in Richtung Energiewende machen.

Wenn wir die Kommunikation also darauf lenken, wie jede*r Einzelne von Veränderungen profitiert (z.B. durch finanzielle Vorteile, Versorgungssicherheit o.Ä.), und wenn wir zeigen, was wir gemeinsam schaffen können, erreichen wir auch viel mehr Menschen. Und bewegen sie dazu, die Veränderung mitzutragen. Auch die Kommunikation von greifbaren positiven Umweltauswirkungen bzw. vom Verhindern negativer Auswirkungen auf die direkte Umgebung wie den Wald oder Gewässer vor Ort, sind wichtige Anknüpfungspunkte und Motivatoren.

Ist Klimawandel also wieder out?

Nein, wenn wir Aktion und Kommunikation positiv angehen und Folgendes beachten:

  • den Blick auf (konkrete und möglichst regionale oder anders greifbare) Verbesserungen lenken
  • allgemeine und vor allem individuelle Vorteile aufzeigen
  • nicht spalten, sondern Gemeinschaft erzeugen

Dann erreichen wir viele und viel.