Das Internet ist ein unerschöpflicher Quell für Wissen, Meinungen, Geschichten und Kontakte. Es öffnet Türen in alle Welt – jedoch nicht für alle Menschen gleichermaßen. Das soll nun anders werden: Barrierefreiheit ist das Zauberwort. Und es ist kein Hexenwerk.
Wie lese ich mit Sehbehinderung den zu kleinen Text auf einer Website? Wie erkenne ich Formularfelder, wenn der Kontrast zu gering ist? Wie folge ich mit Hörproblemen einem Video, wenn es keine Untertitel gibt? Oder wie navigiere ich, ohne sehen zu können, auf einer Website, wenn die Elemente für die Vorlesefunktion nicht ausreichend oder gar nicht beschriftet sind? Um zu gewährleisten, dass alle digitalen Angebote (neben Unternehmenswebsites auch Online-Shops, Apps, Selbstbedienungsterminals u.a.) gleichberechtigt von allen Menschen genutzt werden können, ist mit dem 28. Juni 2025 das Barrierefreiheitsgesetz in Österreich (und parallel in ähnlicher Form in Deutschland) in Kraft getreten. Seither müssen alle betreffenden Produkte und Dienstleistungen barrierefrei gestaltet sein.
Türen öffnen statt verschließen
Abgesehen von der gesetzlichen Verpflichtung ermöglicht Barrierefreiheit aber auch den Zugang zu einer großen Zielgruppe: In Österreich leben laut Statistik Austria rund 25 % der Erwachsenen mit einer gesundheitsbedingten Alltagseinschränkung. Vor allem Einschränkungen bei Sehen und Hören betreffen viele Menschen. Wer seine Angebote so gestaltet, dass sie von dieser großen Zielgruppe nicht genutzt werden können, verschließt selbst die Tür für diese vielen Kund*innen. In Barrierefreiheit zu investieren, zahlt sich also in jedem Fall aus. Auch für Kleinstunternehmen, die aktuell nicht unter die gesetzliche Verpflichtung fallen. Dazu zählen Websites von Unternehmen mit maximal zehn Mitarbeiter*innen und/oder maximal 2 Millionen Euro Jahresumsatz (bzw. Jahresbilanz). Webshops und digitale Tools fallen aber in jedem Fall unter die neue Gesetzgebung.
Wie sieht eine barrierefreie Website aus?
Idealerweise gestaltet man seine Website von Anfang an barrierefrei. Aber auch bestehende Produkte und Angebote können (und müssen) entsprechend angepasst werden. Barrierefreies Webdesign bedeutet, dass Informationen über mehr als einen sensorischen Kanal zugänglich sein müssen und/oder in ihrer Darstellung anpassbar sind. Das betrifft verschiedene Bereiche:sondern ein Designprinzip.
- Aufbau
Es gibt eine einfache und konsistente Navigation und ausreichend Farbkontrast. - Texte und Überschriften
Es gibt eine klare Hierarchie im Textaufbau, konkrete Bezeichnungen, (leicht) verständliche Texte und skalierbare Größen. - Bilder und Grafiken
Es gibt konkrete Bildbeschreibungen für eine auditive Erfassung. - Videos und Audiodateien
Es gibt Untertitel, Audiodeskriptionen oder Videos in Gebärdensprache.
Mehr Auffindbarkeit und Nutzerfreundlichkeit
Die Anpassung der Website an eine barrierefreie User Experience bringt nicht nur zusätzliches Kundenpotenzial. Sie wirkt sich auch positiv auf mobile Anwendungen aus und verbessert mit der klaren optischen wie inhaltlichen Struktur, Alternativtexten für Bilder und sprechenden Links auch die Auffindbarkeit und optimiert so das SEO-Ranking. Über die technischen Vorteile hinaus schafft ein barrierefreies Angebot aber noch etwas: Es beweist gelebte gesellschaftliche Verantwortung und bildet Vertrauen und Nähe zu potenziellen Kund*innen. Zu allen potenziellen Kund*innen.

